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Mutschmann-Bunker in Grillenburg
am Jagdschloß
Als Gästehaus für Jagdveranstaltungen wurde 1934 ein
Herrenhaus über den alten, historischen
Kellergewölben am Jagdschloss Grillenburg errichtet. Das
von den "Deutschen Werkstätten Hellerau" reich mit
Holzintarsien ausgestattete Gebäude, wurde oft vom
sächsische Gauleiter Martin Mutschmann genutzt.
Unter dem Wohnhaus wurde auch ein Bunker
angelegt. Dieser wurde dann in den Jahren 1960/61 saniert
und modernisiert und sollte durch die KEL Freital genutzt
werden. Notwendig wurde dies, da der eigentliche Typbau:
LP-09 im Grillenburger Wald, schon kurz nach der
Fertigstellung voll Wasser gelaufen ist.

Video über das Jagdschloss
2025 - mit der Sanierung des Areals soll wahrscheinlich der
Bunker verfüllt werden. Siehe Presseecho vom 29./30.03.2025.
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29./30.03.2025
- Bunker soll verfüllt werden
24.07.2006
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Karte von: www.openstreetmap.org
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geographische Lage:
13°30´ östlicher Länge,
50°50´ nördlicher Breite,
390 m über NN.
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weitere Bilder zum
Herrenhaus
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Eingang
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Lageplan
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Martin Mutschmann kam am
9. März 1879 im preußischen Hirschberg an
der Saale zur Welt. 1886 zog der 7jährige
mit seiner Familie ins sächsische Plauen.
Der Heranwachsende absolvierte von 1894
bis 1896 eine kaufmännische Lehre und
besuchte die Handelsschule. Mit seiner
Ausbildung schlug er einen für die Gegend
typischen Berufsweg ein. Ab 1896 war
Mutschmann in verschiedenen Spitzen- und
Wäschefabriken in Plauen, Herford und Köln
angestellt.
Nach seinem Militärdienst von 1901 bis
1903 gründete Martin Mutschmann 1907 eine
eigene Spitzenfabrik in Plauen. Der
Betrieb des begeisterten Unternehmers
hatte beachtlichen, wenn auch keinen
spektakulären Erfolg. 1914 zum
Kriegsdienst eingezogen, war er Soldat und
Gefreiter an der Westfront, wurde aber
1916 wegen Krankheit vor Ende des Krieges
entlassen. |
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| Der
Beitritt in den "Deutschvölkischen Schutz-
und Trutzbund" 1919 war Ausdruck seiner
völkisch-nationalen Gesinnung. Im April
1922 fand Mutschmann jedoch seine
völkisch-nationalen Vorstellungen in dem
Gedankengut der jungen NSDAP wieder und
trat der Partei bei. Damit gehörte er zu
den Gründungsmitgliedern der Ortsgruppe
der NSDAP in Plauen. |
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| Nachdem
die sächsische Landesregierung der NSDAP
ein Versammlungsverbot erteilt hatte,
schlossen sich deren Anhänger in Sachsen
zum "völkisch-sozialen Block" zusammen.
Bei der Neugründung der NSDAP im Februar
1925 betraute man Martin Mutschmann mit
der Neuorganisation. Nun stieg sein
Einfluss innerhalb der Partei stetig. Zwar
war Mutschmann keine charismatische
Persönlichkeit, aber er stand vor allem
als Kapitalgeber der jungen NSDAP von
Anfang an in der Gunst Hitlers. Da gerade
in der Neugründungsphase die Entwicklung
der Partei stark an dem personellen
Engagement Einzelner hing, konnte sich
Mutschmann durch seine frühe Präsenz in
der NSDAP eine gute Position innerhalb der
Parteihierarchie verschaffen. Auch seine
finanziellen Mittel und seine Kontakte zu
kapitalkräftigen Unternehmern förderten
seine Karriere. |
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| Das
bis dahin florierende Unternehmen
Mutschmanns bekam die Auswirkungen der
Weltwirtschaftskrise 1929 zu spüren, so
dass er sich 1931 gezwungen sah, es
aufzugeben. Er widmete sich nun ganz
seiner Aufgabe als Gauleiter und versuchte
verstärkt, finanzkräftige Unternehmer als
Geldgeber für die NSDAP zu gewinnen. Bei
innerparteilichen Kämpfen spielte
Mutschmann eine ambivalente Rolle.
Letztendlich stand er aber immer auf der
Seite Hitlers. |
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Die
NSDAP hatte das Deutsche Reich
organisatorisch in Gaue eingeteilt.
Mutschmann war von 1925 an über zwanzig
Jahre hinweg Gauleiter in Sachsen. Ab 1930
saß er für seine Partei im Reichstag,
allerdings zeigte er auf Reichsebene kein
besonderes Engagement, seine politischen
Aktivitäten blieben auf Sachsen
konzentriert.
Nach der Machtergreifung der
Nationalsozialisten war Mutschmann
Reichsstatthalter für Sachsen und somit an
der Ausübung staatlicher Macht beteiligt.
Allerdings konnte diese Stellung seine
absoluten Machtansprüche nicht
befriedigen. Dass der SA-Obergruppenführer
Manfred von Killinger Ministerpräsident
Sachsens geworden war, war dem Gauleiter
von Anfang an ein Dorn im Auge. Er
bekämpfte den Rivalen, dessen Amt er als
unnötige "Nebenregierung" empfand. Der
"Röhm-Putsch" und die Entmachtung der SA
kamen Mutschmann zu Hilfe und am 28.
Februar 1935 hatte Mutschmann sein Ziel
erreicht: Er löste von Killinger als
Ministerpräsident ab und wurde zum "Führer
der sächsischen Landesregierung?. Goebbels
bemerkte zu den egozentrischen Allüren
Mutschmanns, dieser dulde "keine
Götterlein neben sich". |
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Mutschmann
konnte nicht verhindern, dass in der
Öffentlichkeit Kritik an seiner
Amtsführung laut wurde. Neben dem
Verdacht, dass ihm seine Jagdleidenschaft
wichtiger war als seine politischen
Aufgaben, sah er sich mit dem Vorwurf
konfrontiert, er sei nicht in der Lage,
Partei und Landesregierung zu führen.
Tatsächlich war "König Mu" - wie der
Gauleiter vom Volksmund genannt wurde -
passionierter Jäger und förderte als
Landesjägermeister das Jagdwesen in
Sachsen.
Mit der Gründung des Heimatwerks Sachsen
1936 unterstrich er seine Kulturpolitik.
Er setzte sich für die so genannte
Volkskunst ein, bemühte sich also nicht
nur um die Jagd als Symbol für "Heimat"
und "Kultur", sondern auch um
Erzgebirgische Schnitzereien und
Volkslieder. Die "höhere Kultur" wurde
demgegenüber von Mutschmann
vernachlässigt. Weder die sächsische
Staatsoper noch die zahlreichen Museen
bildender Kunst wurden von Mutschmann
gewürdigt, weil er Kultur mit Volkskultur
gleichsetzte; und diese sächsische Kultur
versuchte Mutschmann zu erhalten und zu
verteidigen. Vehement wehrte er sich gegen
Darstellungen, die die sächsische Mundart
oder sächsische Eigenarten karrikierten. |
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| Während
des Krieges versuchte Mutschmann die
Bevölkerung seines Gaues für den Krieg zu
mobilisieren, was aber nur von wenig
Erfolg gekrönt war, da Mutschmann aufgrund
seines schlechten öffentlichen Leumundes
kaum geeignet war, ein motivierendes
Beispiel abzugeben. So war bekannt, dass
sich der Gauleiter mehrere private
Luftschutzräume gebaut, Schutzmaßnahmen
für die allgemeine Bevölkerung aber
vernachlässigt hatte. Die Stimmung gegen
Mutschmann spiegelte sich in einer
Scherzfrage wider, die 1943 in Dresden
kursierte: "Warum sind wir noch nicht
bombardiert worden? - Weil wir mit
Mutschmann schon genug gestraft sind." |
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| Am
Vortag des 8. Mai 1945 setzte sich
Mutschmann Richtung Westen ab, am 16. Mai
wurde er von Oberwiesenthaler
Hilfspolizisten im Fichtelberggebiet an
der tschechischen Grenze aufgegriffen und
ins russisch besetzte Annaberg gebracht.
Wann Mutschmann starb oder hingerichtet
wurde, ist bisher nicht geklärt. Nach
neueren Erkenntnissen setzt sich die
Vermutung durch, Mutschmann sei nach
seiner Festnahme in die Sowjetunion
verschleppt worden und 1950 im Moskauer
Gefängnis "Lubjanka" gestorben.

Quelle:
"http://www.mdr.de/doku/archiv/136426-hintergrund-376967.html"
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Aktualisierung aus:
Der Fall Mutschmann
Sachsens Gauleiter vor
Stalins Tribunal
von
Mike Schmeitzner
Taschenbuch (176
Seiten)
1. Auflage
Sprache: Deutsch
Die hier erstmals ausgewerteten
sowjetischen Akten zum »Fall Mutschmann«
fördern brisante Details und Zusammenhänge
zutage: Mutschmanns frühe Überstellung
nach Moskau, die interne Suche nach einem
angemessenen Tribunal, schliesslich das
sowjetische Geheimverfahren und
Mutschmanns Exekution Anfang 1947.
(Mutschmann wurde am 14.Februar 1947 in
Moskau erschossen.)
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Presseecho
- SZ vom 24.07.2006
Artikel
als pdf-Datei
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